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Der Nähstube für benachteiligte Mädchen in Braila/Ostrumänien, die wir seit vielen Jahren unterstützen, konnten wir eine elektronische Pfaff-Nähmaschine übergeben, die dankbar gleich von der Meisterin Jenica in Betrieb genommen wurde. Unterstützen werden wir auch einen kleinen Ausflug der Kinder des Projekts, zu dem viele jüngere Mädchen seit letztem Jahr hinzugestoßen sind.





V.l.n.r.: Cornelia Günther, Julian Rudolf, Maximilian Göth, Julia Ruwe, Marleen Schöppner, Gunter Goebel (IGFM), Hubertus v. Riedesel und Matthias Höhl (Schulleiter).

Bereits zum vierten Mal packten Schülerinnen und Schüler zu Weihnachten Päckchen mit Spielsachen und Lebensmitteln für Kinder im Osten Rumäniens. Die Aktion, die von Schulsprecherin Adelheid von Soden und der Schülervertretung des Domgymnasiums organisiert wurde, traf auf große Spendenbereitschaft. Gut 150 von einzelnen Schülern und Klassen gepackte Pakete – vom Schuhkarton bis zum 15Kg-Paket stapelten sich in den letzten Tagen im SV-Raum, bevor sie ihre Reise in die 300.000-Einwohnerstadt Braila im Osten Rumäniens antreten. Den Weitertransport organisiert die Fuldaer Arbeitsgruppe der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte e.V. (IGFM), für die deren Sprecher Gunter Goebel die Pakete im Beisein von Schulleiter Matthias Höhl im Empfang nahm. Goebel dankte den Schülern für ihr Engagement und versprach, die Übergabe an die rumänischen Familien mit Fotos zu dokumentieren.



Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der IGFM-Fulda!

Die kalte und rauhe Jahreszeit hat begonnen, auch für unsere Familien im Osten Rumäniens. Bereits seit August schicken wir immer wieder Pakete über unseren bewährten Speditionsweg nach Rumänien. Am Fuldaer Bahnhof aufgegeben, erreichen die Pakete bereits zwei Tage später Pastor Daniel Buzatu in Braila, der sie umgehend an die Familien übergibt. Über 200 Pakete haben wir in diesem Jahr bereits versandt, jedes 10-25 kg schwer, gefüllt mit Lebensmitteln, Waschmittel, Kleidung, Schuhen und Decken. Die Übergabe der Pakete dokumentiert Pastor Daniel mit einer Digitalkamera, wenige Tage später erreichen uns die Bilder via Internet; einige davon sehen Sie auf diesem Schreiben. Im Sommer 2008 werden wir mit Pastor Daniel wieder viele Familien besuchen und uns vor Ort informieren.

Am Samstag, dem 15. Dezember 2007, wollen wir für dieses Jahr wieder das Finale einläuten. Dann startet im großen tegut-Markt in der Maberzeller Straße in Fulda unsere Aktion “Eine Sache mehr”, bei der wir alle Kunden bitten, ein Produkt mehr einzukaufen und für die rumänischen Familien zu spenden. Den ganzen Tag werden wir gemeinsam mit Helfern des Rotaract-Clubs Fulda Kunden ansprechen und mit einer kleinen Ausstellung im Markt präsent sein. Wie freuen uns auch auf Ihren Besuch!

Die Sonderschule für lernbehinderte Kinder in Maicanesti haben wir dank Ihrer Spendenbereitschaft bei der Ausrüstung eines Therapieraums zur Förderung der Motorik unterstützen können. Bei unserem letzten Besuch war bereits der Rohbau fertig gestellt. Die Sportgeräte, die wir mit freundlicher Unterstützung von “Das Sporthaus” im Kohlhäuser Feld anschaffen konnten, haben wir vor Ort in Rumänien aufgebaut und dem Schulleiter Prof. Mocanasu übergeben (vgl. beiliegender Projektbericht).
Ebenfalls gute Fortschritte macht unsere Nähstube, über deren Qualifizierung mehr und mehr benachteiligte Mädchen eine Arbeitsstelle finden. Unser Ziel ist es, einzelnen Absolventen des Kurses eine gebrauchte Nähmaschine zur Verfügung zu stellen, damit sie mit kleineren Aufträgen auch ihre Familien finanziell unterstützen können.

Es gäbe noch viel zu berichten, über unser Familienwohnprojekt “Casa Fulda”, dem wir eine neue Waschmaschine übergeben haben oder über die von uns betreuten ehemaligen Heimkinder, von denen viele mit temporärer Obdachlosigkeit zu kämpfen haben. Doch davon im nächsten Schreiben mehr.
Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie eine gesegnete Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest!  

Gunter Goebel
Felizitas Sondergeld

Geldspenden erbitten wir unter dem Kennwort "Spende Rumänien" oder “Familienhilfe Braila” auf das Konto der IGFM-Arbeitsgruppe Fulda:
Kto. Nr. 400 27 445, Sparkasse Fulda, BLZ 530 501 80
(Eine Spendenquittung geht Ihnen bei Namens- und Adressangabe zu.)






Nach den verheerenden Überschwemmungen im Osten Rumäniens, die neben 26 Todesopfern 120.000 Menschen obdachlos werden ließ, hat die Arbeitsgruppe Fulda der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte e.V. (IGFM) spontan reagiert. Mittwoch morgen (27.07.) schickten IGFM-Mitglieder einen Sattelschlepper mit Hilfsgütern auf den Weg nach Braila/Ostrumänien, mitten in das Katastrophengebiet. Etwa die Hälfte der Hilfsgüter, insbesondere Matratzen, Decken, Kleiderpakete, Fahrräder und Stühle sind für die Flutopfer bestimmt, mit den übrigen Spenden unterstützt die IGFM-Fulda in einer langjährigen Patenschaft gut 100 arme und kinderreiche Familien im Großraum Braila sowie Alte und Behinderte.
"Allein in Namoloasa, einem 2.500 Menschen zählenden Ort am Fluss Siret haben wir seit Jahren zwölf Familien mit mehrheitlich behinderten Kindern unterstützt. Nun ist von dem Ort so gut wie nichts mehr übrig, die Menschen wurden mit Booten gerettet, der Ort total überflutet. Keiner konnte etwas in Sicherheit bringen, weil die Verbindungsstraßen als erstes überflutet wurden", berichtet Gunter Goebel, Sprecher der Fuldaer IGFM-Gruppe und ergänzt: "von einem einstöckigen Haus aus getrockneten Lehmziegeln bleibt nach einem Hochwasser nicht viel übrig, nicht einmal die Tiere haben die Menschen dort retten können." Ende der Woche wird Hans Welter für die Fuldaer IGFM nach Rumänien aufbrechen und gemeinsam mit zwei Pastoren die Verteilung der Hilfsgüter absprechen.
Eigentlich sollte im Mittelpunkt des diesjährigen Transportes des Bau eines Holzhauses für Waisenkinder in Braila stehen, ein Familienwohnprojekt, für das die IGFM-Fulda bereits gut 20.000 Euro an Spendengelder eingeworben hat. 5.000 Euro fehlen den Fuldaer Menschenrechtlern noch, dann kann der Bau des Hauses im Oktober dieses Jahres fertiggestellt werden. "Nachdem wir bereits 1999 das Dachgeschoss des Kinderheims Jerarh Nicolae in Braila in eine Familienwohngruppe umgebaut haben und damit gute Erfahrungen gemacht haben, wagen wir uns nun an dieses Projekt, weil wir den benachteiligten Waisenkindern zu mehr Eigenverantwortung und Selbständigkeit verhelfen wollen." erklärt Goebel. Träger des Projektes wird das Kreisjugendamt Braila sein, mit dem die Fuldaer IGFM in den vergangenen Jahren bereits zwei Spielplätze errichtet und ein Waisenhaus komplett renoviert hat.
Spenden für die Flutopferhilfe und das Familienwohnprojekt werden noch dringend gebraucht: Spendenkonto: IGFM-Fulda, Kto 400 27 445, Sparkasse Fulda, BLZ 530 501 80, Stichwort "Fluthilfe Rumänien" oder "Ein Haus für Waisen". Die IGFM e.V.ist als gemeinnützig und mildtätig anerkannt.


Die 15. Fahrt der Fuldaer IGFM-Arbeitsgruppe (Felizitas Sondergeld, Gunter Goebel, Johannes Näder und Hans Welter) Ende Oktober 2005 nach Rumänien war erstmals kein Hilfstransport im eigentlichen Sinn. Kein LKW voller Kleidung, Lebensmittel, Fahrräder oder Schulmöbel wurde ausgeladen – der hatte seine Empfänger diesmal ohne unsere Begleitung bereits im Juli erreicht.

Ein Grund dafür war die katastrophale Überschwemmung der Siret-Flussebene, die im Frühjahr 2005 mehr als 120.000 Rumänen ihres Obdachs beraubt hatte. Bereits im Juli war deswegen ein Sattelschlepper mit Kleidung, Matratzen und warmen Decken aus Fulda gestartet, um den Flutopfern möglichst schnell und effektiv Hilfe zukommen zu lassen. Die beiden Pastoren Daniel Buzatu und Viorel Mitrea übernahmen für die IGFM die Verteilung. Eine weitere Paketaktion wird Anfang Dezember die betroffenen Familien erreichen: 200 Lebensmittel- und Kleiderpakete sollen den Menschen über den Winter helfen und ihnen finanzielle Entlastung bieten.

Neben dem Besuch bei den Opfern der Überschwemmungen war ein ebenso wichtiger Anlass  der Fahrt das Hausprojekt, bei dem die IGFM- Fulda ein robustes zweigeschossiges Holzhaus finanziert, in dem sieben bis acht Mädchen aus einem der seit Jahren betreuten Kinderheime ihr neues Zuhause finden sollen. Bereits das Weihnachtsfest sollen die Kinder und Jugendlichen in ihren eigenen vier Wänden, mit Zwei- bis Dreibettbettzimmern, Selbstversorgerküche und einer gemütlichen Wohnstube verbringen können.
 

Rumänische Kinderheime – ein trauriger Rückblick

Wer die Arbeit der Fuldaer IGFM-Arbeitsgruppe seit den 1990er Jahren begleitet und möglicherweise sogar unterstützt hat, wird sich an die tristen Bilder und Berichte erinnern, die wir Jahr für Jahr aus den von uns betreuten Kinderheimen mitbringen mussten. Hunderte Kinder hausten in renovierungsbedürftigen Heimen, auf überfüllten Zimmern, die beidseits von endlosen, düsteren Fluren abzweigten. Oft wohnten zwölf bis sechzehn Waisenkinder jeden Alters gemeinsam in einem Raum, in dem sich nichts als aufgereihte Bettgestelle mit durchgelegenen Matratzen befanden. So etwas wie Privatsphäre gab es für die kleinen Bewohner der staatlichen Waisenhäuser nicht: Wer einen Rucksack oder Ranzen besaß, in dem er ein paar persönliche Dinge verstecken konnte, durfte sich glücklich schätzen, und noch 2002 fand sich in vielen der Zimmer nicht einmal ein Schrank. Der Hof war üblicherweise zwar geräumig, bot aber nicht einmal einen Basketballkorb oder Grünflächen zum Spielen und Herumtollen. Zwar konnten wir jedes Jahr etwas für ein oder zwei der Heime tun: Etwa den Aufbau eines Spielplatzes, die Renovierung der sanitären Anlagen im Kinderheim Jerarh Nicolae oder die Ausstattung der Zimmer mit Schränken, Tischen, Stühlen, abschließbaren Spinden und freundlichen, kindgerechten Bettgarnituren. Auf diese Weise konnten wir Farbe in den Alltag des Waisenhauses bringen, beim Umbau in Vierbettzimmer mitwirken, konnten die Lebensqualität einiger hundert Kinder ein kleines Stück verbessern - die Grundbedingungen des Alltags in einem großen rumänischen Kinderheim aus Ceaucescus Zeiten blieben aber die gleichen.

Erstes Wohngruppenprojekt 1999 und informeller Austausch

Erst seit wenigen Jahren stellen sich auch hier Veränderungen ein, die dafür umso rascher voran gehen. Seit der Jahrtausendwende setzen die Verantwortlichen in Braila und ganz Rumänien auch auf Druck der EU zunehmend auf ein Konzept, das sich in Deutschland seit Jahrzehnten bewährt hat: Man versucht einerseits, Kindern das Leben in Adoptiv- und Pflegefamilien zu ermöglichen; andererseits werden die großen Betten-Heime sukzessive aufgelöst und die Kinder statt dessen dezentral zu sechst bis acht in Wohngruppen angesiedelt – gewöhnlichen Appartements in der ganzen Stadt, wo Mädchen und Jungen nach und nach von Pädagogen zu verantwortlicher Lebensführung erzogen werden, indem sie sich etwa um Einkaufen, Kochen, Waschen und Putzen unter der Aufsicht eines Erziehers selbst kümmern.

Bereits 1999 haben wir gemeinsam mit dem Kreisjugendamt Braila und der Heimleitung im Kinderheim Jerarh Nicolae den Ausbau des Dachgeschosses des Kinderheims zu einer solchen Familienwohngruppe unterstützt. Es war das erste Projekt dieser Art im Kreis Braila. Ein Erfahrungsaustausch begann. Vor zwei Jahren besuchte eine Delegation von acht Heimleitern des Kreises Braila auf Vermittlung der IGFM-Fulda das Antoniusheim, das Caritas-Jugenddorf Maberzell sowie die Einrichtungen der Deutschen Jugend Europas (DJE) auf der Wasserkuppe. Ergänzt wurde der dreitägige Besuch durch einen Informationsaustausch mit dem Kreisjugendamt, dem Sozialamt und dem Kreisjugendpfleger Stephan Will, der sich intensiv um das Besichtigungsprogramm bemüht hat.

2004 konnten wir bei unserem Besuch in Braila eine erste externe Wohngruppe kennen lernen, eine ganz besondere allerdings: Sie war auf zwei Etagen in einem kleinen Massivhaus aus robustem Karpatenholz untergebracht. Eine fröhliche, hoffnungsvolle Atmosphäre schlug uns entgegen, wie wir sie in den großen, alten Heimen eigentlich nie erlebt hatten. Ein gemeinsames Abendessen mit den Kindern ohne ihre Betreuer am Abend bestätigte uns: Das hier war eine richtige Familie, die gern zusammen lebte und in der sich jeder auf die anderen verlassen konnte. Sehr spontan hielten wir am nächsten Tag Rücksprache mit der Leitung des Brailaer Kreisjugendamtes und boten an, im kommenden Jahr den Bau eines zweiten derartigen Holzhauses zu finanzieren. Viele Gespräche folgten, ehe aus dem Plan schließlich ein Vertrag werden konnte; Zeit, die wir nutzten, um unser neues Projekt in Fulda zu bewerben und um finanzielle Unterstützung zu bitten. 30.000 Euro hatten wir in Braila als maximale Unterstützung zugesagt, genug, um Material, Transport und Konstruktion für das Holzhaus sowie sanitäre und elektrische Installationen zu bezahlen – Grundstücksankauf, Fundament, Hausanschlüsse, Heizung und Einrichtung sollten über Fördermittel der Europäischen Union von dem Brailaer Jugendamt bezahlt werden, das später auch Träger des Hauses sein wird. Die Fertigstellung sollte bis Oktober 2005 erfolgen. Das war uns besonders wichtig, denn die Kinder sollten vor Weihnachten ihr neues Zuhause beziehen und das Fest in ihrer vielleicht ersten richtigen Familie erleben können. Durch das Hochwasser in Rumänien kamen allerdings Verzögerungen in die Ausführung des Projektes: Der rumänische Staat, über den die EU-Gelder von den Brailaer Behörden angefordert worden waren, stoppte im Sommer die Auszahlung aller EU-Mittel, bis die Schadensfeststellung der nationalen Hochwasserkatastrophe vorlag; zeitweise drohte sogar eine Verschiebung der Auszahlung auf das nächste Jahr. Uns war es aber wichtig, dass die Brailaer Behörden ihren Pflichtteil von ca. 17.000 Euro an diesem Projekt leisteten, deshalb haben wir die Umsetzung bis zur Zahlung des EU-Zuschusses aufgeschoben.  

Unser Besuch im Herbst 2005: Das Haus wird Wirklichkeit

Unser Besuch im Oktober fiel mit dem Ende des Ausschreibungstermins für das Fundament zusammen, das inzwischen im Bau ist und vor dem einsetzenden Frost glücklicherweise fertig wird. Mit dem neuen Leiter des Jugend- und Sozialamtes, Herrn Sculschi, trafen wir zweimal zusammen und ließen uns in einem Zusatzvertrag den neue Termin bestätigen. Kurz vor unserem Abschied überreichen wir ein großes Holzschild mit der Aufschrift «Casa Fulda», dem Namen des neuen Hauses. Ernst Kopp aus Fulda, der bereits über 500 Fahrräder für unsere Hilfstransporte technisch fit gemacht hat,  hat es extra aus Walnussholz geschnitzt. Bei diesem Termin waren sogar Presse und Fernsehen anwesend.

Ende November wird die Holzbaufirma aus den Karpaten das vorgefertigte Haus auf dem Fundament errichten. Um den reibungslosen Ablauf dieser Baumaßnahmen sicherzustellen, besuchten wir auf unserer Rückfahrt die Holzbaufirma von Szerkely Ferencz in Gheorgheni in den Karpaten, die Hans Welter im Frühjahr aus mehreren Angeboten herausgesucht hatte. Wir waren sehr zufrieden: Die mittelständische Firma hatte bei unserem Besuch die Rahmenkonstruktion des Hauses bereits weitgehend vorgefertigt und fachgerecht auf Paletten verpackt, die Zwischendecke war gerade in Arbeit. Gemeinsam haben wir die Dachziegel ausgesucht und den Ablauf des Aufbaus besprochen: Ende November wird das vorgefertigte Haus nach Braila geliefert, dann beginnt der Aufbau, die Wärmedämmung und Innenverkleidung, das Einsetzen der Thermopenfenster. 10-12 Tage und sieben Arbeiter hat Herr Ferencz dafür veranschlagt.   

Unsere diesjährige Fahrt zu den Brailer Waisenkindern war von nüchternen Gesprächen und Planungen geprägt. Es gab kein fertig gestelltes Projekt zu begutachten, keinen Spielplatz und keine Wohnräume einzuweihen wie in den vergangenen Jahren, keine Kinderhorden, die uns stürmisch begrüßten, und nur die wenigen Mädchen und Jungen, die kurz vor seiner Auflösung noch im Kinderheim Ierarh Nicolae verblieben sind, winken uns zum Abschied vom Tor aus nach. Wenn wir nächstes Jahr wiederkommen, werden sie nicht mehr dort sein – auch sie werden ihre Wohngemeinschaft, ihre Familie haben. Vielleicht wird die ein oder andere schon in vier Wochen umziehen in das «Casa Fulda», am vierten Advent? Und dann kommt Weihnachten. Vielleicht ist es für sie das erste Weihnachtsfest in den eigenen vier Wänden, auf jeden Fall aber das erste zwischen Wänden, die nach Karpaten duften und den Namen einer kleinen Stadt im fernen Deutschland tragen...            
(Johannes Näder, Gunter Goebel)



Liebe Spenderinnen und Spender!

Auch in diesem Jahr haben wir die Lebensmittel-Sammelaktion „Eine Sache mehr“ am 29. Oktober und 5. November 2005 in tegut-Märkten durchgeführt und 100 Lebensmittelkartons für die von uns betreuten Familien zusammengestellt. Zusätzlich packten wir 100 Kleiderpakete, von denen viele in diesem Jahr ein besonderes Ziel haben: die Opfer der Flut.

In der letzten Woche der Schulherbstferien konnte ich mir in Begleitung von Felizitas Sonder­geld, Johannes Näder und Hans Welter ein eigenes Bild von den Flutschäden in Namolo­asa/Rumänien machen: Wir haben Menschen besucht, deren Lehmhäuser in dem Hochwasser wie Kartenhäuser zusammengefallen sind. Viele von Ihnen mussten ihren verschimmelten Hausrat verbrennen, weil das Hochwasser über einen Monat knapp einen Meter hoch in den Häusern stand. Gerade die alleinstehenden alten Menschen schaffen einen bescheidenen Wiederaufbau nicht aus eigener Kraft. Auch hat das Hochwasser ihre Ernte vernichtet, Vorgärten in Schlammwüsten verwandelt, Hühner und Schweine sind ertrunken. Wie manche Familie, die wir besucht haben, über den Winter kommen soll, ist uns ein Rätsel. Wir werden helfen, wo wir können.

Viel zu berichten gibt es von unserem Projekt „Ein Haus für Waisen in Braila“, das zur Zeit im Bau ist und noch vor Weihnachten fertig werden soll. Mit etwas Glück können unsere acht Waisenkinder, ausschließlich Mädchen, Weihnachten bereits in ihrem neuen Zuhause feiern! Hans Welter ist Anfang dieser Woche erneut nach Rumänien aufgebrochen, um beim Aufbau des Holzhauses dabei zu sein und die letzten Gewerke zu vergeben. Durch die Flutkatastrophe hatte sich das Projekt um drei Monate verzögert, weil die rumänische Regierung den von der europäi­schen Union geleisteten Förderanteil (1/3 der Kosten) vorerst eingefroren hatte, bis sie einen Überblick über die Flutschäden im Land gewonnen hatte. Nun sind die Gelder freigegeben.

Den traditionellen Jahresbericht im Rahmen einer Diashow wollen wir mit der Präsentation „unseres“ Waisenhauses verbinden und deshalb auf das kommende Jahr verschieben. Rechenschaft zu geben ist uns ein großes Anliegen, und wir wollen dies heute in schriftlicher Form tun.

Für die Finanzierung unserer Weihnachts-Paketaktion bitten wir Sie um Ihre Unterstützung!

Gunter Goebel, IGFM-Fulda

IGFM-Fulda - Kto. 40027445 - Sparkasse Fulda - BLZ 53050180



Abiturientinnen und Abiturienten des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums haben im Rahmen des Abiturentlassungsgottesdienstes und des Abiballs 650 Euro gespendet und der Rumänieninitiative der Fuldaer Arbeitsgruppe der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte e.V. (IGFM) übergeben. Wie Corinna Kuschnick für das Abi-Vorbereitungsteam erklärte, wolle man „gerade in den Glücksmomenten des Lebens diejenigen nicht vergessen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.“ Für die Arbeitsgruppe Fulda der IGFM bedankte sich Gunter Goebel, selbst Lehrer an der Freiherr-vom-Stein-Schule, für den „solidarischen Gedanken der Verbundenheit“ bei allen Abiturienten und versprach, den von der IGFM-Fulda betreuten Kindern und Familien im Osten Rumäniens diese Unterstützung in den Sommerferien in Form von Lebensmitteln und Sachspenden persönlich zu übergeben.   
(25.06.2004)



Der Gedanke, dass sich die Menschlichkeit einer Gesellschaft daran zeigt, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht, hat in einem bitter armen Land wie Rumänien keinen Platz. Nur 16 Prozent der Landbevölkerung haben hier Zugang zu sauberem Trinkwasser; und vor allem im Osten des Landes, jenseits der Karpaten, sind die Menschen mit hoher Arbeitslosigkeit und zunehmender Verarmung konfrontiert. Fünfzig Euro Lohn durchschnittlich, acht Euro Kindergeld – auch in Rumänien viel zu wenig zum Überleben.



Wer seine Gas- oder Stromrechnung nicht bezahlen kann, sitzt im Kalten und Dunkeln. Gerade in den Vororten großer Städte, in den Quartieren der Armen, friert sich Jahr für Jahr eine wachsende Zahl rumänischer Familien in einfachsten Lehmhäusern durch den Winter.

Es liegt auf der Hand, wen diese existenziellen Probleme zuerst und am härtesten treffen: die Schwächsten der Armen, alte Menschen und Kinder.

Ein Hauptziel der Arbeitsgruppe Fulda der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte ist deswegen seit vierzehn Jahren, besonders armen Familien mit vielen Kindern unter die Arme zu greifen. Im Rahmen der jährlichen Hilfstransporte in die ostrumänische Großstadt Braila fahren wir in zahlreiche Vororte und Armenviertel, wo wir gezielt Matratzen, Kinderwagen, Fahrräder und vor allem Kartons mit Kleidung und Lebensmitteln verteilen. In Zusammenarbeit mit zwei Pastoren konnten wir im Laufe der Zeit herausfinden, wo die Not am ärgsten und unsere Hilfe am nötigsten ist. Oft sind es dieselben Gesichter, denen wir Jahr für Jahr begegnen, die uns schon freudig begrüßen und unseren Transportern später hinterher schauen.

Vielfach sind Vater oder Mutter allein erziehend und ohne Einkommen. Familien mit acht oder neun Kindern sind keine Seltenheit – unter ihnen finden sich immer wieder Kranke und Behinderte, für die medizinische Versorgung dringend notwendig wäre. Seit dem kompletten Zusammenbruch des rumänischen Gesundheitssystems vor wenigen Monaten ist daran aber überhaupt nicht mehr zu denken.

So zum Beispiel Codina Ratuan aus Maxineni bei Braila. Ganz allein muss sie sieben Kinder ernähren, von denen der jüngste gerade 5 Jahre alt ist. Sein Bruder Dumitru, 14 Jahre, ist geistig behindert und kann nicht sprechen. Umgerechnet etwa 50 Euro monatlich müssen Codina nicht nur für Brot reichen, sondern ebenfalls für Medikamente, Schulmaterialien und – im Winter – Brennholz. Viorel, einer der beiden Pastoren, die uns begleiten, notiert auf seiner Adressliste „Situatie forte grea“ – was übersetzt so viel bedeutet wie: „Sehr schwierige Situation“. Nicht ohne Grund: Codina weiß einmal mehr nicht, wie sie ihre Familie über den Winter bringen soll.

300 kinderreiche Familien haben wir Jahr für Jahr besucht und mit Lebensmitteln für ein oder zwei Wochen versorgt sowie mit gebrauchter Kleidung. Aufgrund unserer Erfahrungen konnten wir unter diesen noch einmal die bedürftigsten heraussuchen. An die hundert Familien, die Ärmsten unter den Armen, sollen in Zukunft effektiver und kontinuierlicher unterstützt werden – etwa durch gezielt zusammengestellte Kartons oder durch eine zweite Paketaktion vor Weihnachten. Auf diese Weise können wir gleichzeitig sicherstellen, dass wir die Familien und ihre Schicksale nicht aus den Augen verlieren.

Neu ist auch, dass wir die Lebensmittel nicht wie in den Vorjahren aus Deutschland einführen – dies hat uns immer größere Schwierigkeiten mit den Grenzern und Zollbehörden beschert. Stattdessen kaufen wir für ungefähr 1500 Euro in Braila direkt ein und stellen vor Ort Nahrungspakete zusammen.

Durch die Neukonzipierung unserer Familienaktion wollen wir die Lebensumstände der Kinder und ihrer Eltern dauerhaft begleiten, die größte Not lindern und den Menschen Hoffnung geben – ein Ziel, dass unerreichbar bliebe, überließe man die Menschen am Rande Europas sich selbst.

Johannes Näder





Die Fuldaer IGFM-Arbeitsgruppe hat es sich seit 14 Jahren zur Aufgabe gemacht, über die Situation der Menschen in Rumänien zu berichten und ihnen in Braila, einer Großstadt nahe dem Donaudelta, so gut wie möglich zu helfen. „In dieser Gegend wird Hilfe besonders dringend gebraucht“, erklärt Gruppensprecher Gunter Goebel. „Vom westrumänischen Aufschwung bekommen die Familien jenseits der Karpaten nichts mit – im Gegenteil.“ Der Zusammenbruch der Stahlindustrie, Hauptarbeitgeber der Region, führe zu Arbeitslosenzahlen weit über dem Landesdurchschnitt, und die Not in den armen Vorstädten und Dörfern um Braila herum werde jährlich größer. Um die Konsequenzen dieser Entwicklung für die Schwächsten der Gesellschaft zu mildern, unterstützt die IGFM Fulda einerseits mehrere Kinderheime, andererseits über hundert notleidende Familien.

Aus vorgelesenen Briefen erfuhren die Besucher der IGFM-Veranstaltung Details über deren Situation, bevor Fotos und eine zwanzigminütige Filmdokumentation das Gehörte verdeutlichten. Besonders bedrohlich für die Familien ist der nahe Winter: Für Brennholz fehlt meist das Geld, Medikamente werden nach dem Zusammenbruch des staatlichen Gesundheitswesens nicht länger finanziert. Temperaturen von minus zwanzig Grad Celsius lassen an eine frohe Weihnachtszeit gar nicht denken. Um wenigstens die größte Not ein wenig zu lindern, führen die Fuldaer Menschenrechtler dieses Jahr erstmals eine Paketaktion vor Weihnachten durch, in deren Rahmen die bedürftigsten Familien Nahrungsmittel für ein paar Tage und Kleidung für ein paar Wochen erhalten.

Dass steter Tropfen den Stein tatsächlich höhlt, beweisen die Bilder vom Jungenheim Ierarh Nicolae in Braila, zu dem die IGFM Fulda seit Jahren eine Patenschaft unterhält. Diesen Sommer konnte die zweite Etage des Heims durch Spendengelder renoviert und mit Möbeln ausgestattet werden. Die zuvor völlig desolaten Sanitäranlagen hat eine rumänische Baufirma im Auftrag der Fuldaer erneuert – 10.000 Euro kostete allein dieses Projekt. Auf dem sonst unfreundlichen Hof findet sich jetzt ein Basketballfeld, auf dem die Kinder spielen und sich austoben können; keine Selbstverständlichkeit in einer Großstadt wie Braila. Die hochwertigen Basketballkörbe stammen ebenfalls aus Spendengeldern und wurden von den Menschenrechtlern mit Hilfe der älteren Jungen im Heim aufgebaut und einbetoniert.

Das Gesamtkonzept der IGFM Fulda wird anhand des präsentierten Filmes und der Berichte deutlich: Man will nicht nur die größte materielle Not der Heime lindern, sondern den Jungen ein freundliches, kindgerechtes Lebensumfeld schaffen. Ein solches nämlich ist Voraussetzung für eine unbeschwerte Kindheit und Jugend.

Der Videofilm ist auf VHS-Kassette und DVD gegen eine Spende erhältlich. Weitere Informationen: Gunter Goebel (Sprecher), Am Felsenkeller 24a, 36100 Petersberg. Telefon: 0661-240088, eMail: gunter.goebel@igfm-fulda.de

Spenden sind angesichts der anstehenden Paketaktion willkommen und können auf das Konto Nr. 400 27 445 bei der Sparkasse Fulda (BLZ 530 501 80) überwiesen werden.
                                                                      
Johannes Näder



Ein rascher Griff zum Zündschlüssel, Halbdrehung nach rechts, und mit grimmigem Nageln springt der Dieselmotor des 18 Jahre alten Mercedes-Sprinters an: Aufbruch. Er ist eins von vier Begleitfahrzeugen, mit denen wir in den kommenden drei Wochen in Rumänien unterwegs sein werden; die großen blauweißen Logos auf beiden Türen machen ihn gewissermaßen zu unserem Flaggschiff: "Internationale Gesellschaft für Menschenrechte" steht da zu lesen. Als Fuldaer Arbeitsgruppe der drittgrößten Menschenrechtsorganisation führen wir seit 1990 regelmäßig Transporte in die ärmsten Gebiete des osteuropäischen Staates durch; unser Hauptziel in diesem Jahr wird die Großstadt Braila nahe dem Donaudelta sein.

Die Vielfalt der Hilfsgüter reicht von Kleidung und Bettwäsche über Fliesen, Mehl und 100 Fahrräder bis zu Lebensmitteln, die der Rotaract Club in Zusammenarbeit mit der Einzelhandelskette tegut sammeln konnte. Zum ersten Mal stehen uns in diesem Jahr Mittel für ein größeres Projekt zur Verfügung: Wir haben zwei Spielplätze anfertigen lassen, die wir vor Ort in verschiedenen Kinderheimen aufbauen wollen. Weitere Hilfsgüter wie Betten, Waschbecken und Baumaterial sollen ebenfalls den Heimen zugute kommen. Immerhin 60 Tonnen haben wir in drei großen Sattelschleppern auf den Weg geschickt. Ein Transport mit diesem Volumen ist uns nur möglich, weil sich zahlreiche Fuldaer Bürger durch Spenden und eigenen Einsatz in selbstloser Weise engagiert haben. Mit unserer Abfahrt am Nachmittag des 11. Juli 2001 ist für sie die Arbeit jedoch zu Ende – für uns fängt sie erst richtig an.

Drei Tage später, Braila, Ostrumänien. Die Luft flimmert vor Hitze, als wir die beiden Heime "Nr. 3" und "Nr. 7" zum ersten Mal inspizieren, begleitet von Herrn Moraru, dem Leiter des Kreisjugendamtes. Die Zusammenarbeit mit ihm und seiner Behörde hat sich in den vergangenen Jahren bewährt; so konnten wir uns stets der sinnvollen Verwendung unserer Hilfsgüter vergewissern. Für unsere Spielplätze haben wir uns mit ihm auf zwei Heime geeinigt, die sich mitten in der Stadt befinden, umgeben von zehnstöckigen Plattenbauten. Die Kinder, die hier wohnen, sind zwischen fünf und zehn Jahren alt und zum Teil leicht geistig behindert; sofern sie noch Eltern haben, sind sie von diesen allein gelassen und teilweise sogar ausgesetzt worden. Ihre Freizeit verbringen sie fast ausschließlich in den asphaltierten Innenhöfen oder auf einem kleinen Stück Wiese, das von mannshohen Zäunen begrenzt wird.

Es ist kein Zufall, dass wir als Menschenrechtsgruppe ausgerechnet diese Heime anfahren. Vor etwas mehr als zehn Jahren gingen Bilder um die Welt, die von Unmenschlichkeiten ohnegleichen im gerade untergegangenen Kommunistenstaat zeugten. In seinem Wahn, eine rumänische Herrenrasse züchten zu wollen, hatte Ceausescu alle in irgendeiner Form zurückgebliebenen Kinder in alten Ställen und Baracken zusammengepfercht, wo sie systematisch unterernährt wurden. Die jährliche Todesrate in diesen Sterbeheimen lag bei etwa 50 Prozent. Es war ein solcher umfunktionierter Gutshof, den wir bei unserem ersten Transport direkt nach dem Zusammenbruch des Ceausescu-Staates anfuhren. Spastiker, an ihre Betten gefesselt; Torföfen in den Räumen, deren Qualm das Atmen geradezu unmöglich machte. Zum Glück hat sich die Situation seit der Wende zumindest hier zum Besseren gewendet. Westlichen Standards entsprechen die staatlichen Heime jedoch noch lange nicht: Viele von denen, die damals in Ceausescus Lagern dahinvegetierten, spielen heute – inzwischen 13 oder 14 Jahre alt – in den trostlosen Innenhöfen der neuen Unterkünfte. Für eine kindgerechte Ausstattung, für die Planung sinnvoller Freizeitaktivitäten, für psychologische Beratung aber fehlt es dem Kreisjugendamt nach wie vor an Geld.

Wir haben uns deshalb zum Ziel gesetzt, nicht nur materielle Hilfe in Form von Lebensmitteln und Kleidung zu leisten; auch wollen wir das Umfeld, in dem die Kinder aufwachsen, attraktiver gestalten. Die mitgebrachten Spielgeräte sind Teil dieses Projektes: unter anderem mehrere Schaukeln, Wippe, Karussell und einen großen Turm mit Rutsche und Sandspielanlage bauen wir innerhalb einer Woche auf dem Gelände der beiden Kinderheime auf. Hierbei erweisen sich die Kontakte zu Herrn Moraru als sehr nützlich, er stellt uns eine Betonmischmaschine und ausreichend Kies zur Verfügung. Das kleine Fest, das er anlässlich der Einweihung zusammen mit den Heimleiterinnen organisiert hat, wird ein voller Erfolg: denn bereits während des Aufbaus tauchten freudige Kindergesichter an den Fenstern auf, die aufgeregt in unsere Richtung blickten. Als die Jungen und Mädchen den Spielplatz jetzt stürmen, bleibt für uns inmitten von all dem Lachen und fröhlichen Geschrei kein Zweifel darüber, dass sich unsere Aktion mehr als gelohnt hat.




Zu zehnt sind wir in diesem Jahr vor Ort, und jeder von uns hat während der beiden Wochen in Braila alle Hände voll zu tun. Während die einen mit Ausschachten, Betonrühren und Aufstellen der Spielgeräte beschäftigt sind, fahren die anderen stets mit zwei Kleinbussen durch die slumähnlichen Vororte der Stadt und in die umliegenden Dörfer, um bedürftige kinderreiche Familien mit Lebensmitteln und Kleidung zu versorgen. Seit mehreren Jahren gehört die Unterstützung für diejenigen, die der rumänische Staat vernachlässigt, fest zu unserem Programm; über 1000 Pakete können wir in diesem Jahr an etwa 400 Haushalte verteilen. Viele von ihnen müssen mit nicht einmal 100 Mark monatlich über die Runden kommen – bei fünf oder mehr Kindern eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Erfahrungsgemäß ist ein Karton mit gut erhaltener Gebrauchtkleidung verbunden mit einem Lebensmittelpaket für solche Menschen deutlich mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Schon am Ortseingang erfahren wir gewöhnlich von den Härtefällen, die unserer Unterstützung besonders bedürfen. Pastor, Ortsvorsteher oder ältere Mitbürger führen uns zu den betreffenden Adressen; gewöhnlich bedarf es dort keiner weiteren Nachfrage mehr, so offensichtlich ist die Armut der Familien. In der Stadt gelingt es den Vätern meist noch, eine unterbezahlte Arbeit anzunehmen, wohingegen die Beschäftigungssituation auf dem Land katastrophal ist. So für eine Gruppe von Müttern nicht weit von Braila: Teils von den Männern allein gelassen, teils verwitwet hausen sie mit ihren Kindern in einer ehemaligen Kolchose. Miete müssen sie hier zwar nicht zahlen, aber auch so haben sie kaum genug zum Überleben. Bereits in Ceausescus Staat wurden Menschen wie sie ausgegrenzt – im neuen, demokratischen Rumänien fehlt es für sie schlichtweg an Geld.

Auf der Straße von Corbu Nou, 45 Kilometer von Braila entfernt, begegnet uns der vierzehnjährige Florin, der wissen will, ob wir auch zu seiner Familie kommen. Seine Familie – das sind außer ihm nur seine jüngeren Geschwister Costel, Jon und Rodica; die Eltern der Kinder leben nicht mehr. Im Gegensatz zu vielen anderen Jungen und Mädchen mit ähnlichem Schicksal leben die vier jedoch nicht auf der Straße, denn Lina Tudorie, eine alte Frau aus der Nachbarschaft, hat sie zu sich genommen. Was, wenn sie es nicht getan hätte? Die 78-jährige schüttelt dem Kopf: Darüber hat sie sich nie Gedanken gemacht. Zu sehr nimmt der Alltag ihre schwindenden Kräfte in Anspruch. Obwohl die Jungen ihr so gut wie möglich helfen, fällt ihr die Pflege des kleinen Grundstücks jeden Tag schwerer; an Renovierungsarbeiten am baufälligen Häuschen ist nicht zu denken. Im Inneren: zwei kleine Räume, muffig und düster. Als wir eine Matratze herein tragen und auf dem rostigen Bettgestell abladen, fährt die alte Frau sich verstohlen mit der Hand durch die Augenwinkel.

Es sind solche Begegnungen, die uns trotz aller Mühe weitermachen lassen: Denn hier, das spüren wir, wird unsere Hilfe dringend gebraucht. Auch in den kommenden Jahren wollen wir deshalb die bedürftigen Familien der Region mit Kleidung und Lebensmitteln versorgen. Auf der anderen Seite ist nicht nur ein neues Spielplatzprojekt geplant; auch mit Herrn Moraru und seiner Behörde wollen wir weiter gut zusammen arbeiten. Auf diese Weise ist es uns in den vergangenen Jahren gelungen, Mittel zur Renovierung des Brailaer Jungenheims Ierarh Nicolae bereitzustellen, mit deren Hilfe erste Wohnräume und Badezimmer vorbildlich eingerichtet wurden. Wir hoffen, diese Arbeiten zukünftig besonders im sanitären Bereich unterstützen zu können, denn die Duschen und Toiletten sind in mehreren Trakten momentan kaum benutzbar.Elf Hilfstransporte – elf Jahre, in denen wir die Entwicklung Rumäniens miterlebt haben. Das Land steht heute kurz vor dem Staatsbankrott und wird wieder von den Kräften regiert, die einst zu Ceausescus Lager gehörten. Viele Einwohner sprechen zwar mit Angst von der Zeit vor der Wende, geben aber zu, dass sie damals wenigstens ein Auskommen hatten. Armut, vielfach Resignation. Und doch: Wer einmal offenen Auges durch Braila geht, wird etwas von dem frischen Wind spüren, der vereinzelt zu wehen beginnt. Und auch wir sehen Veränderungen: Kinder, die nicht auf dem kahlen Asphalt hocken, sondern lachend an ihren Spielgeräten tollen. Kleider, die wir vor zwei Jahren gebracht haben, neben einer Baracke zum Trocknen aufgehängt. Ein paar Jungen vor dem Kinderheim Ierarh Nicolae, die plötzlich aufspringen und winken, als der klapprige Sprinter mit dem blauen Logo auf den Türen vorbeinagelt. Im nächsten Jahr fahren wir wieder.

Johannes Näder



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